Die Rauhnächte – Die Zeit zwischen den Jahren
Die zwölf Nächte zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar nennt man „Rauhnächte“. Ursprünglich waren die Rauhnächte die zwölf Nächte, die auf die Wintersonnenwende (die heutzutage um den 21. Dezember herum stattfindet) folgten. Nach dem Glauben unserer Ahnen tobte in dieser Zeit die „wilde Jagd“ über den Himmel. Als Anführer der „wilden Jagd“ galt die Gottheit Wotan, ursprünglich ein Sturm- und Windgott oder auch die Göttin Bertha/Perchta (Frau Holle), die oft von einem Gefährten (dem treuen Eckhardt) begleitet wurde, der dem Zug vorausging und die Menschen warnten. Vieles von diesem alten Glauben hat sich noch in unseren Märchen und Sagen erhalten. Die Göttin Bertha/Frau Holle ist eigentlich eine alte Erdgöttin, also die vergöttliche Mutter Erde so wie unsere Vorfahren sie sahen. Die Seelen all der Menschen, die im vergangenen Jahr verstorben waren, wurden in den Rauhnächten von Frau Holle und ihren Helfern eingesammelt und abgeholt und mit in ihr Jenseitsreich genommen, ein Reich der ewigen Jugend, der Fülle und des Überflusses. Nach dem alten Glauben verblieben die Seelen der Verstorbenen noch eine Weile nach ihrem Tod bei ihren Familien, um dann, nach dem Ablauf eines Jahres, mit dem „wilden Heer“ in das Jenseitsreich zu gehen. In anderen Kulturen hat sich der Glaube bis heute erhalten, dass die Toten eine gewisse Zeit benötigen, um sich von ihrem irdischen Leben zu verabschieden und sicher „auf der anderen Seite“ anzukommen und sich dort quasi „einzurichten“ um auf die nächste Inkarnation zu warten. Auch unsere Vorfahren glaubten an die Wiedergeburt, so bedeutet der Begriff „Enkel“ eigentlich kleiner Ahn („Ähnkel“) und auch der Brauch, Kindern die Namen der Großeltern oder Urgroßeltern zu geben, ist ein Überbleibsel dieses alten Glaubens an die Reinkarnation. Doch zurück zur „wilden Jagd“ und den Rauhnächten, um die sich auch heute noch einige „abergläubische“ Vorstellungen ranken. So wurde mir z.B. vor 15 Jahren noch von alten Leuten davon abgeraten, während der „Zeit zwischen den Jahren“ Wäsche auf dem Dachboden aufzuhängen, da dies Unglück bringen würde. Hier hinter steckt der Glaube, dass sich in den aufgehängten Wäschestücken die Geister der Verstorbenen verfangen könnten, die während der „wilden Jagd“ ums Haus und mitunter auch im Haus toben, in welches sie durch den Schornstein gelangen. Doch nicht nur die Geister der Toten sollen durch den Schornstein ins Haus dringen können, auch die Anführerin (oder der Anführer) der „wilden Jagd“ selber. Deshalb war es früher wichtig, dass die Küche grade in der Zeit zwischen den Jahren ordentlich und sauber war. Auch die Wolle oder das Flachs musste vom Spinnrocken gesponnen (bzw. ordentlich abgenommen und verstaut) sein, denn Frau Holle legte großen Wert auf einen ordentlichen Haushalt. Fand sie diesen vor, so hinterließ sie der Hausfrau auch schon mal einen Klumpen Gold auf dem Herd, war der Haushalt aber nicht in Ordnung, so wirbelte sie alles durcheinander und bestrafte die nachlässige Hausfrau durch diese Unordnung, zumindest glaubten die Menschen der früheren Zeit dies.
Allgemein kann man sagen, dass die Rauhnächte der Reinigung und auch der Transformation dienen, indem man sich von allem trennt, was einen belastet und damit Platz schafft für etwas Neues. Alles, was sich an schlechten Energien im Laufe des Jahres so angesammelt hat, kann man in den Rauhnächten besonders gut loswerden.
Dazu eignet sich ein kleines Ritual: Zunächst ist es wichtig, dass man seine Wohnung/sein Haus gründlich reinigt und aufräumt, denn das Außen wirkt auf das Innen. Ganz besonders sollte man hier auch auf die Ecken achten, denn grade in den Ecken setzen sich schlechte Energien fest. Wenn die Wohnung/das Haus dann frisch gereinigt und aufgeräumt ist, kann man alle Räume noch mit einer reinigenden Räuchermischung seiner Wahl räuchern. Ein Glas mit frischem Wasser auf dem Boden rechts oder links neben der Eingangstür im Wohnungs-/Hausinneren sorgt dafür, dass nur reine Energien in die Wohnung/ins Haus hineinkommen, natürlich sollte das Wasser auch regelmäßig erneuert werden.
Als nächstes reinigt man sich selber mit einem spirituellen Bad. Solche Bäder habe ich in der Santeria kennen gelernt und nutze sie selber für meine Klienten aber auch für meine Freunde, meine Familie und mich selber. Für ein einfaches spirituelles Reinigungsbad benötigt man ein großes sauberes Gefäß, ein kleines sauberes Gefäß, einen sauberen Becher, eine weiße Kerze, möglichst helle Kleidung (am besten weiß), ein weißes Badetuch, acht weiße Blüten, Beifußkraut (Artemisia vulgaris), Salbeikraut (Salvia officinalis), Oreganokraut (Origanum vulgare) und 1 Liter Quellwasser (zur Not aus dem Supermarkt). Die Kräuter sollten nach Möglichkeit frisch sein und nicht getrocknet, da frische Kräuter am meisten Kraft enthalten. Zunächst einmal zerreibt man die frischen Kräuter und die weißen Blüten zwischen den Händen und mischt sie mit dem frischen Quellwasser in dem kleinen Gefäß (wenn man nur getrocknete Kräuter bekommt, muss man das Wasser erhitzen und dann, wie bei einem Tee über die Kräuter gießen, die Blüten werden im Anschluss hinzugefügt). Dann deckt man das Gefäß ab und lässt das Ganze mindestens 3 Stunden lang ziehen. Anschließend gießt man den Kräutersud in das große Gefäß und begibt sich ins Bad, wo bereits die helle Kleidung bereit liegt. In das große Gefäß füllt man noch warmes Leitungswasser, so dass man nun eine ausreichende Menge an Flüssigkeit für ein Bad erhält. Dann zündet man die weiße Kerze an und bittet seinen Schutzengel (seinen Schutzgeist) um Segen für die Reinigung. Nun entkleidet man sich und steigt in die Wanne/Dusche, wo das Gefäß mit dem Kräuterbad und der kleine Becher schon bereit stehen. Langsam beginnt man nun, sich das Wasser becherweise über den Körper zu schütten, wobei man mit dem Kopf beginnt und an den Füßen endet. Wichtig ist, dass jede Stelle des Körpers mit dem Kräutersud benetzt wird. Auch während des Bades kann man weiterhin zu seinem Schutzengel (Schutzgeist) beten und ihn bitten, alles Unreine abzuwaschen. Zum Schluss trocknet man sich ab (den Kräutersud vorher NICHT abwaschen) und zieht sich die weiße Kleidung an. Bevor man die Kerze löscht, bedankt man sich noch bei seinem Schutzengel (Schutzgeist) für seinen Segen und seine Hilfe. Den Rest des Tages verbringt man dann in entspannter und ruhiger Atmosphäre zu Hause.
Dieses Bad kann man übrigens auch außerhalb der Rauhnächte durchführen, wenn man das Bedürfnis nach spiritueller Reinigung hat.
Die Rauhnächte sind nicht nur eine gute Zeit, um sich zu reinigen, sondern auch, um einen Ausblick auf das kommende Jahr zu erhalten. So ist jeder der 12 Tage, die den Rauhnächten folgen einem Monat des kommenden Jahres zugeordnet (der 25. Dezember entspricht dem Januar, der 26. Dezember dem Februar, usw.). So wie die Energie an dem entsprechende Tag ist, so soll auch die Energie in dem entsprechenden Monat des kommenden Jahres sein. Wer also wissen möchte, was das neue Jahr für einen bereit hält, sollte aufmerksam die Tage (und die Nächte) während der Rauhnächte beobachten.
von Varuna Holzapfel (Dezember 2010)
__________________ Warnung: Ich verfüge über einen gesunden Menschenverstand. Und ich werde ihn benutzen.
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