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Die Völva







Schon immer gab es Menschen, die in Kontakt mit der Welt der Geister standen und zwischen ihr und der Welt der Menschen vermittelten.
Dies geschah durch das Befragen von Orakeln, das Beschwören von Geistern in einem Ritual oder der Deutung von Träumen und anderen Zeichen.
Aber diese Menschen konnten mit Hilfe der Geister auch Heilen oder Schaden, je nachdem mit welchen Geister sie arbeiteten und mit welcher Intention. Obwohl diese Menschen in Stammesgesellschaften wichtig für das Überleben der Gruppe waren, begegnete man ihnen schon immer mit einer gewissen Scheu, da sie eben mehr konnten "als nur Brot essen".
Sie konnten das Wild beschwören und so zum Jagdglück beitragen, führten die richtigen Rituale durch, um die Fruchtbarkeit der Erde zu gewährleisten, wußten um Mittel, die Geister (Ahnen) gnädig zu stimmen, u.v.m. In Trance nahmen sie Kontakt zu den Ahnen auf, ließen sich von ihnen "reiten", liehen ihnen ihren Körper, ihre Stimme, damit sie in der Welt der Lebenden agieren konnten. Sie wußten, wie man Krankheiten heilt und bezogen in den Heilprozeß die spirituelle, psychische und materielle Ebene mit ein, besaßen also quasi, schon lange vor der Wiederentdeckung der Psychosomatik, ein breites Wissen über die Wechselwirkungen zwischen Körper, Seele und Geist. Natürlich verfügten sie auch über ein mehr oder weniger ausgeprägtes Wissen über Pflanzen und ihre medizinische und spirituelle Wirkung, wobei dieses Wissen wohl eher speziell (auf einige wenige Pflanzen bezogen) als allgemein war.
Die Bezeichnung, die man diesen Menschen gab, war je nach Kultur unterschiedlich. In einigen Kulturen nannte, bzw. nennt man sie Schamanen, bei den nordischen Völkern war/ist ihre Bezeichnung Völva, Wölwa oder auch Wala.

Das erste Lied in der Edda, die Völuspa, ist die Vision einer Völva, die hier in Liedform wiedergegeben wurde.
In einem anderen Lied der Edda, dem Vegtamskvida, wird von Odin erzählt, wie er den Geist einer Wala beschwört, um von ihr zu erfahren, was die Träume Balders bedeuten:

"Da ritt Odin ans östliche Tor,
Wo er der Wala wußte den Hügel.
Das Wecklied begann er der Weisen zu singen,
(Nach Norden schauend schlug er mit dem Stabe,
Sprach die Beschwörung Bescheid erheischend)
Bis gezwungen sie aufstand Unheil verkündend."

In der Saga von Erik dem Roten wird eine Völva wie folgt beschrieben: "Sie war gekleidet in einen blauen Mantel, und dieser war bis zum Saum mit kostbaren Steinen besetzt. Um den Hals trug sie Glasperlen, auf dem Kopf eine Mütze aus schwarzem Lammfell, die innen mit weißem Katzenfell ausgefüttert war. In der Hand hielt sie einen messingbeschlagenen Stab, der oben einen Knopf hatte; auf dem Knopf saß ein Stein. Um die Taille trug sie einen Gürtel mit Zunderbüchse; am Gürtel hing ein Lederbeutel, in dem sie die Zaubermittel aufbewahrte, die sie zu ihrer Wahrsagerei benötigte. An den Füßen trug sie haarige Schuhe aus Kalbsfell mit langen Riemen, die am Ende große Zinnknöpfe hatten. An den Händen trug sie Handschuhe aus Katzenfell, die innen weiß und haarig waren." (Die Katze ist übrigens der wanischen Göttin Freyja zugeordnet, da sie auf einem Wagen fährt, der von zwei Katzen gezogen wird. In deutschen Sagen wird den Hexen oftmals nachgesagt, sie können sich in Katzen verwandeln, bzw. ihre helfenden Geister würden in Katzengestalt erscheinen.)
Die Völva in der Erzählung beginnt nun, mit Hilfe von anderen Frauen, die um sie herum einen Kreis bilden und ein Zauberlied singen, die Geister zu befragen, die durch das Lied herbeigerufen werden und mit denen sie dann (in Trance) Kontakt aufnimmt. Anschließend weissagt sie den Umstehenden viele Dinge, von denen die meisten später dann auch eintraten.

Die Völven gelten als Seidkundig. Nach einer Quelle ist dies ein Verfahren, bei dem in einem Kessel Kräuter erhitzt (verbrannt) werden. Durch das Einatmen dieser Dämpfe kann die Völva in die andere Welten sehen oder sich sogar dorthin begeben, auch ist es möglich, durch das Sieden der Kräuter Zauber durchzuführen.(Die Seid- oder Sudkunst wird ebenfalls mit Freyja in Verbindung gebracht, da sie diese Kunst mit zu den Asen brachte, weswegen sie auch als die Schützerin der Völven gilt.)
In einer Sage, die von den Brüdern Grimm aufgezeichnet wurde, wird von einer Magd in Erfurt im Jahre 1672 berichtet, die mit Hilfe dieser Kunst ihren Geliebten zu sich ruft. Sie tut am heiligen Pfingsttag "gewisse Kräuter" in einen Topf, den sie dann in die Nähe des Feuers (nicht direkt aufs Feuer) setzt. Sobald die Kräuter zu sieden beginnen, muss der Geliebte erscheinen. Er tut dies dann auch und erscheint leibhaftig dort, wobei er angibt, er sei von einem großen Tier (einem schwarzen Bock) direkt aus seinem Bett entführt und dorthin gebracht worden. (Quelle).
In der Edda findet man einen Hinweis darauf, dass die Seidkunst eher eine Vorgehensweise war, die mehr von Frauen ausgeübt wurde. Loki wirft Odin vor, er habe "als altes Weib verkleidet, Seidkunst betrieben". Das würde auch erklären, warum es so wenig schriftliche Überlieferungen über Seid gibt, schließlich waren die frühen Schreiber Männer (Mönche) und diesen hatten, naturgemäß, auch eher Zugriff auf die mündlichen Überlieferungen von Männern. Seidkunst war "Weiberkram" und Männer beschäftigten sich nicht damit. Anhand der wenigen Beschreibungen, die es gibt, kann man dort aber durchaus Hinweise sehen auf eine eher mediale Arbeit mit den Geistern, ähnlich der Besessenheitstrancen, die man heute noch in vielen afrobasierten Religionen finden kann. Interessantes Detail am Rande: Die Arbeit als Medium inklusive des "von Geistern geritten / besessen zu werden" wird dort auch hauptsächlich von Frauen praktiziert. Der Grund dafür ist für diejeniegen, die sich praktisch damit beschäftigen, durchaus ersichtlich.




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