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2012

(Vorsicht, das Lesen des Artikels könnte zu einer Bewusstseinserweiterung führen)





In den letzten Jahren tauchten plötzlich immer mehr Bücher auf dem Esoterik-Markt auf, die sich mit einem umwälzenden Ereignis beschäftigen, das da auf die Menschheit am 21.12.2012 zukommen soll. Da ist die Rede von einer alten Prophezeiung, dem Ende der Welt, einem Bewusstseinssprung (alternativ „Erwachen“) und vom Maya-Kalender, der exakt an diesem Datum enden soll. Und das Geschäft mit 2012 boomt. Nicht nur Bücher und Filme beziehen sich auf das Datum, auch immer mehr Einzelpersonen aus dem esoterischen und schamanischen Bereich versuchen, auf den fahrenden Zug aufzuspringen und sich noch schnell ein Stückchen vom großen Kuchen abzuschneiden. Kaum einer der „Konsumenten“ scheint dabei zu bemerken, dass hier eine gigantische Marketingmaschine angeschmissen wurde, um den Esoterikmarkt, der nach immer neuen Themen giert, zu bedienen. Esoterik ist zunächst einmal ein großer Geschäftszweig und so wie in jedem anderen Geschäftszweig geht es darum, dem Kunden immer wieder neue Produkte zu präsentieren. So wie z.B. in der Autoindustrie die Autos immer schneller, sicherer und besser (und inzwischen sogar auch immer umweltschonender) oder in der Elektronikbranche die Handys immer kleiner und leistungsfähiger werden. Auch die Esoterikindustrie schließt sich diesem Trend an, immer wieder wird ein neues Thema vorgegeben, zu dem dann Bücher und Produkte auf den Markt geworfen werden. Zur Zeit ist es eben das Geschäft mit dem „magischen Datum“. Wenn man sich in einschlägigen Foren mal so umseht, dann erfährt man auch ganz schnell, dass die „Vorboten“ schon überall sichtbar sind. Jede örtliche oder auch entferntere Katastrophe wird hier zum „Vorboten“ für "2012" hochstilisiert. Mal ganz abgesehen davon, dass zu allen Zeitaltern immer mal wieder diverse Ereignisse stattgefunden haben, die drastische Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung hatten, scheint sich die Aufmerksamkeit der 2012-Anhänger ganz gezielt auf solchen Ereignissen zu richten. Durch die fast weltweite Vernetzung erfährt man ja inzwischen fast schon in Echtzeit von lokalen Ereignissen, die bei genauer Betrachtung nur deshalb auf uns wirken, weil sie uns bewusst/bekannt sind. Auf diese Art kann uns auch ein Erdbeben auf der anderen Seite der Erdhalbkugel in existenzielle Ängste stürzen und so entsteht schnell der Eindruck, dass sich die Katastrophen in letzter Zeit häufen. Der Anschlag auf das WTC, der Tsunami in Thailand, der Vulkanausbruch auf Island, Fukushima, die Wirtschaftskrise, die Eurokrise, alles Vorboten. Tja, vielleicht sollte man die beginnende Verdummung ganzer Bevölkerungsschichten durch die Sendungen diverser Privatsender, die eher im intellektuellen Niedrigsegment angesiedelt sind, ebenfalls als Vorboten sehen, Bewusstseinssprünge können ja auch in umgekehrte Richtung funktionieren.


Indianischer Schamanismus

Neulich erklärte eine Dame auf einem Vortrag zum Thema „indianischer Schamanismus“ (oder „Inka-Schamanismus“), dass der wachsende Zeitdruck und der Stress, dem wir in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind ebenfalls Vorboten seien. Sie nannte es allerdings nicht Stress und Hektik, sondern „ein schnelleres Ablaufen der Zeit“ und tatsächlich ist dies das völlig subjektive Empfinden von Menschen, die unter Stress stehen und versuchen, fünf Dinge auf einmal zu erledigen, neudeutsch Multitasking genannt. Solche Menschen haben das Gefühl, die Zeit würde schneller laufen und dies soll nun ein weiterer Vorbote des Umbruchs sein. Die Dame ging sogar so weit, zu behaupten, da ja nun die Zeit schneller laufen würde, bräuchte man für Dinge, die man früher in zwanzig Jahren lernen musste, inzwischen nur noch zwanzig Monate. Ein kurzer Blick in die Natur (von der wir uns in unserer Gesellschaft inzwischen so entfremdet haben, dass wir nicht mehr bei uns sind und dadurch auch anfälliger für Stress werden) zeigt aber, dass Bäume nach wie vor in demselben Tempo wachsen, wie schon immer, auch wir Menschen (auf die sich dieses „neue Zeittempo“ ja auswirken soll) brauchen immer noch knapp 18 Jahre, bis wir vollständig ausgewachsen sind und Babys entwickeln sich ebenfalls im Durchschnitt genauso langsam, wie schon immer. Ein Blick über den Tellerrand in andere Länder (oft als Entwicklungsländer bekannt) zeigt, dass die Menschen dort ebenfalls nicht diesem „schnellere-Zeit-Syndrom“ unterworfen sind, dort hat man noch Zeit und auch die stressbedingten Erkrankungen sind dort noch weitgehend unbekannt, dafür haben diese Menschen andere und ganz alltägliche Sorgen und Probleme, die sich um die Beschaffung von ausreichend Nahrung, sauberem Wasser, medizischer Grundversorgung und Bildung für alle drehen. Aber vielleicht springen die ja auch gar nicht mit, vielleicht sind ja nur wir Menschen in den Industrienationen gemeint, die da urplötzlich über Nacht ein neues Bewusstsein haben werden, schließlich sind die Angehörigen anderer Völker und Nationen, die ohne unseren Komfort und Konsumrausch auskommen müssen oder dürfen ja auch schon viel weiter entwickelt und natürlich hochspirituell, "edle Wilde" halt, die das Wissen der Welt hüten und es auch gerne mit uns teilen.


Neues Bewusstsein

Wie toll das klingt: „ein neues Bewusstsein“ und das ohne selber was dafür tun zu müssen, kein mühsames aufdröseln von Mustern, die uns seit unserer Kindheit gefangen nehmen, kein schmerzhafter Prozess der Selbsterkenntnis, sondern schwupp, man wacht auf und ist erleuchtet und wenn nicht, dann tut man eben so, weil der Gruppendruck inzwischen so groß ist, dass man ganz schnell nicht mehr dazu gehören würde, wenn man selber nicht zu den „Erweckten“ gehört (der Mensch ist nun mal ein Hordentier). Diverse Binsenweisheiten, die man dann als Erkenntnis getarnt von sich geben kann, finden sich ja inzwischen nicht nur in einschlägigen Magazinen, sondern auch in den bunten Heftchen, die im Wartezimmer fast jedes Arztes oder auch beim Friseur ausliegen. Die alten Maya waren aber auch toll, dass sie mit ihrem Kalender so ein weltbewegendes Ereignis vorhersagen konnten. Wie weit sie spirituell entwickelt waren, dass zeigen ihre tollen Bauwerke und ihre grausamen Menschenopfer und natürlich auch die ominösen Kristallschädel, die ihnen mitunter ebenfalls zugeschrieben werden. Sie sind wirklich absolut im Trend, diese alten Mayas, obwohl für ihre eigene Kultur der lokale Weltuntergang längst stattgefunden hat. Nur so ist es nämlich auch möglich, dass diese alte Kultur noch posthum durch Angehörige der Industrienationen ausgebeutet wird, was kümmert es da, dass die heute noch lebenden Mayas den 21.12.2012 als Enddatum des Mayakalender ablehnen, ihr Ruf geht im Lärm des rollenden Zuges „2012“ unter, genauso wie die Stimme der Vernunft. Und es wäre für die Esoterikindustrie auch schädlich, wenn diese Stimme sich Gehör verschaffen würde genauso wie ein tatsächliches Erwachen der Massen. Wobei es recht grausam sein kann, plötzlich zu erkennen, welche Illusion man sich lange Zeit von der Welt, dem Leben und auch sich selber gemacht hat, so grausam, dass es Menschen erst mal aus ihrer gewohnten Bahn wirft, was mit Sicherheit viele Psychotherapeuten und auch Angehörige diverse Selbsthilfegruppen bestätigen können. Erwachen ist kein Waldspaziergang und das grelle Licht der Selbsterkenntnis hat schon mehr Menschen verblendet anstatt sie zu erleuchten. Ich bezweifle, dass ein Großteil der Menschheit überhaupt mental und psychisch stabil genug ist, um so ein Ereignis ohne Schaden an Psyche und Geist zu verkraften. Aber höchstwahrscheinlich kommt es auch gar nicht dazu, womöglich werden so einige am 21.12.2012 einfach nur feststellen, dass gar nichts passiert ist und sie einfach nur auf eine geschickte Marketingmasche hereingefallen sind. Wobei das alleine schon eine Erkenntnis darstellt und somit auch eine Bewusstseinserweiterung.



© Varuna Holzapfel 2011.